Methodik

In einem Planogramming-Projekt werden bestimmte Schritte durchlaufen, um zu einem qualifizierten Regalplan zu kommen, der die Ziele des Projekts bestmöglich erfüllt. XPace verfolgt dabei die 4W-Stategie der Fragen Was – Wieviel – Wo – Warum und bildet damit die Planogramming-Funktionen in seiner Methodik ab.

Hinter einem Planogramming-Projekt steht immer eine Idee und eine Absicht in Bezug auf eine Point-of-Sale-Gestaltung. Im einfachsten Fall will man eine vorgegebene Bestückung auf ein Regal abbilden und die virtuelle Regalplanung in Form eines Planogramms dokumentieren.

In einer etwas erweiterten Betrachtung können die Produkt- und Positionsdaten die Wertigkeiten im Planogramm transparent machen. Daraus lassen sich Informationen über Bestandsdeckung und Bestandslücken gewinnen sowie Kennzahlen zu Umsatz und Rentabilität ermitteln. Aus der Analyse leiten sich dann Anpassungsvorschläge für die Bestückung ab. Schließlich ist das Planogramm die Basis für spätere Restrukturierungen, Umbauten und Erfolgskontrollen.

Ziele definieren

Im ersten Schritt werden die Ziele definiert, die man mit einem Planogramming-Projekt verfolgt. Ziele können sein:

  • Eine Regalplanung durchführen und den Behang grafisch und in Listenform dokumentieren.
  • Einen Behangplan auf eine bestimmte Marktgröße, eine Kundenlistung oder ein Sortiment abstimmen.
  • Den geplanten Warenbestand überprüfen und auf Über- und Unterbestände testen.
  • Den Warenwert, die Kosten, Umsatz und Rendite eines konkreten, kundenbezogenen Regalprojekts ermitteln.
  • Alternative Behangplanungen ausprobieren und bewerten.
  • Ein existierendes Planogramm an neue Anforderungen anpassen.
  • Eine Erfolgskontrolle der Regalplanung durchführen.

Die Zielsetzungen beeinflussen die Vorgehensweise in den nachfolgenden Schritten.

Beispiel für eine Zieldefinition

Das Regal soll für den Kunden X und die Marktgrößenklasse A das Sortiment S abbilden. Die Planung soll für den Vertrieb, den Kunden und für die Einrichter dokumentiert werden, die Dokumentation soll passende grafische Darstellungen sowie zielgruppengerechte Listen und Tabellen erzeugen. Das Regal soll als neue Version eines bereits bestehenden Regals abgelegt werden.

Die Umsetzung in XPace erfolgt, indem man ein neues Planogramm-Projekt anlegt und darin ein Sortiment, einen Kunden und eine Marktgrößenklasse zuweist.

Sortiment festlegen

Aus der Zieldefinition ergibt sich die Auswahl der Artikel für die Bestückung. Die Artikelauswahl ist die Frage nach dem Was: Welche Produkte sollten in einem konkreten Regal positioniert sein? In XPace erfolgt die Artikelauswahl

  • als manuelle Suche mit Einzel- oder Gruppenauswahl
  • durch das Laden einer externen Listungstabelle
  • oder als Abfrage auf die Datenbasis anhand von Regeln mit Kriterien

Bei einer IST-Aufnahme eines Regals in einem Markt oder Musterraum liegt die Auswahl hingegen fest, die tatsächlich vorgefundenen Artikel im Regal werden mit einem Barcode-Scanner eingelesen.

Beispiel für eine Abfrage anhand von Kriterien

Gib mir Artikel der Warengruppe HANDWERKZEUG, die im vorigen Quartal mindestens einen Umsatz von 1.000,- € erzeugt haben. Beschränke die Auswahl auf die 12 abverkaufsstärksten Produkte, die der Marktgrößenklasse A zugeordnet sind.

Aus der Artikelauswahl entstehen virtuelle Warenkörbe, die das Sortiment für das Regal repräsentieren. Diese Warenkörbe werden in einem nachfolgenden Schritt auf die Warenträger des Regals gesetzt.

Regal aufbauen

Aber zunächst ist das Regal selbst mit seinen Warenträgern, Haltern und Displays aufzubauen. Die XPace-Bauteil-Bibliothek stellt alle Bauteile für den virtuellen Regalbau zur Verfügung. Sie enthält die meist benutzten Standardteile und kann für spezielle Warenträger und Displays erweitert werden.

Raster und Ankerpunkte sowie Funktionen zum Kopieren und Verschieben von Warenträgern und Regalsegmenten ermöglichen einen schnellen Aufbau des Regals. Fachböden und Körbe können rastergenau positioniert werden. Neben einfachen Wandregalen können auch Mittelraumgondeln, Paletten und Gitterboxen sowie Schwerlastregale aufgebaut werden. Eigene Displays und Aufsteller lassen sich integrieren. Warenträger werden entweder als Einzelobjekte betrachtet oder zu fließenden Verbünden verkettet.

Lochwandhaken müssen nicht einzeln gesetzt werden. Sie werden aufgrund eines wählbaren Standardhakens automatisch mit hängender Ware zusammen eingesetzt, ihre Position bestimmt sich aus der Position des Produktblocks des gehängten Artikels.

Typische Regalanordnungen können in XPace aus vordefinierten Szenarien erzeugt werden. Durch Angabe weniger Größenparameter erhält man damit sehr schnell  eine Regal-Grundkonfiguration.

Beispiel für den Aufbau eines Planogramms aus einer Szenerie

Nach Auswahl der Grundkonfiguration „Mittelraumgondel“, der Elementbreite „1,25 m“, der Höhe „2,10 m“ und der Anzahl Elemente entsteht ein komplettes Mittelraumregal mit allen erforderlichen Teilen: Sockel, Säulen, Lochwandplatten, Konsolen, Fachböden und Kopfblenden.

Weitere Böden, Körbe und Halter können mach Bedarf ergänzt werden. Die Bebilderung der Kopfblenden erfolgt individuell, indem man passende Bilder mit der Maus auf die Blenden zieht.

Die Bauteile sind realitätsgetreu gestaltet und mit logistischen Identifikatoren und Stücklisten versehen, sie können daher für ein Warenträger-Reporting des Planogramms verwendet werden.

Produkte einsetzen

Produkte werden in das Regal gesetzt, indem man sie einzeln oder als Sortiments-Warenkorb auf einen Warenträger zieht. Die Produkte werden von XPace auf dem Warenträger angeordnet und ausgerichtet.

Die Bestimmung der Position des Produkts ist die Frage nach dem Wo: Der Warenträger gibt mögliche Positionen und Rotationen vor, der Artikel hat eigene Regularien für Positionen und Abstände, die bereits auf dem Warenträger befindlichen Artikel belegen schon einen Teil des Raums. Das Positionierungsverfahren berücksichtigt:

  • Rasterungen
  • bereits positionierte Artikel
  • Rotationen
  • Haken und andere Halter, die eingefügt werden müssen
  • Stapelbegrenzungen und Grifflücken der Artikel
  • zusätzlichen Platzbedarf durch gewichtsbedingte Durchbiegung von Haken und Warenträgern
  • Optionen für das Ausrichten und Verteilen
  • die Fortsetzung der Bestückung auf einem etwaigen Folge-Warenträger

XPace unterscheidet die drei Bestückungsarten hängend, stehend/gestapelt und lose geschüttet und schließt inkompatible Fehlbestückungen aus. XPace findet auf dem Warenträger selbsttätig eine geeignete Position, wendet ggf. eine Rotation an und stellt die Umsetzung der Bestückung in der praktischen Einrichtung sicher. Lochwandhaken werden automatisch gesetzt. Die Zuordnung von Warenkörben zu Warenträgern kann mit Regeln automatisiert werden.

Die Vorschlagsfunktion findet geeignete Artikel für einen Warenträger. Die Auffüllfunktion nutzt den Raum bestmöglich aus. Die Barcode-Scanning-Funktion findet Artikel durch das Scannen ihres Barcodes.

Beispiel für eine Positionsbestimmung

Setze die drei Artikel X, Y und Z nebeneinander auf Haken in eine Lochwand im ersten Segment des Regals. Verwende einen Standardhaken. Beachte die Lochrasterung der Lochwand und das Hakenloch der Artikel. Halte eine Mindestgrifflücke zwischen den Artikeln ein.

Die Bildung von Bestückungsblöcken ist die Frage nach dem Wieviel: Wie groß sollte und kann ein Bestückungsblock für einen Artikel sein, wieviele Einheiten sollten darin enthalten sein?

Hier kommen Algorithmen zum Einsatz, die die Form und Größe der Artikel, den Bestückungsraum des Warenträgers und die erwarteten Abverkaufszahlen berücksichtigen:

  • Größe des Bestückungsblocks
  • Begrenzungen durch den Bestückungsraum des Warenträgers
  • Begrenzung durch einen gewünschten Füllungsgrad
  • Verpackungseinheiten
  • erwarteter Abverkauf

Neben der Artikelgröße werden hier Zielvorgaben für den Bestand sowie der Belieferungsrhythmus für das Regal beachtet.

Beispiel für eine Bestandsmengenermittlung

Verwende die vorgegebene Mindestbestandsmenge, aber runde auf die nächste Verpackungseinheit. Beachte den Füllungsgrad des Warenträgers. Berücksichtige eine Bestandsüberdeckung von 120%, um Leerverkäufe in der Belieferungsperiode sicher zu vermeiden.

Alle Positionen, Mengen und Größen können manuell bearbeitet werden. Alle Artikel lassen sich auf den Warenträgern beliebig verschieben, unterstützt von Hilfslinien zur Ausrichtung. Auf Lochwänden bewegen sich die Artikel mit ihren Haken rastergenau.

Bewerten

Die Bewertung der positionierten Artikel im Regal ist die Frage nach dem Warum: Für die interne und externe Kommunikation ist es wichtig, eine Begründung dafür zu haben, warum genau diese Artikel in genau dieser Menge an genau diesen Orten und Größen positioniert werden. Das Scoring-Verfahren von XPace erfolgt

  • durch die Bestimmung von Preisen (auch kundenspezifisch)
  • durch das Zuspielen von Leistungsdaten wie Abverkaufs- und Umsatzzahlen aus externen Quellen
  • durch die Bildung von Kennzahlen für einzelne Produkte und Produktgruppen
  • durch die Berechnung von Analysen
  • und durch die farbliche Ausleuchtung des Regals anhand der Scoring-Werte

Die Kennzahlen werden auf Artikelebene oder auf einer Gruppierung (Warengruppe, Marke, Hersteller…) angewendet.

Die Scoring-Ergebnisse können intern verwendet werden, als Erfolgskontrolle der Regalplanung und für die Optimierung der Regalbestückung. Sie können auch in der externen Argumentation eingesetzt werden, in Listungsgesprächen mit dem Kunden und in Diskussionen mit externen Partnern.

Beispiel für ein Rentabilitäts-Scoring

Markiere die fünf umsatzstärksten Artikel im Regal in grün und die fünf schwächsten Artikel in rot. Schlage Auslistungen und Nachlistungen vor. Beachte dabei die Flächenproduktivität des Regals.

Dokumentieren

Die Planungs- und Bewertungsergebnisse eines Planogramms werden im Reporting dokumentiert. Da in einem XPace-Planogramm alle Daten der Produkte, der Warenträger und der Positionen mitgeführt werden, kann die Dokumentation auf diese Daten zurückgreifen und grafische und listenartige Outputs erzeugen. Die Darstellung erfolgt zielgruppenspezifisch (Vertrieb, Marketing, Einrichter, Kunden…) und kann individuell eingestellt werden.

Wichtig für die Dokumentation sind Funktionen

  • zum Erzeugen verschiedener 3D- und 2D-Ansichten des Regals
  • zum Anzeigen von Images und Texturen
  • zum individuellen Einfärben
  • zur freien oder programmatisch gesteuerten Vergabe von Positionsnummern
  • zur frei formatierten Ausgabe aller Datenfelder als Etikettierung, auch mit berechneten Feldern
  • zur Ausgabe von Legenden in Farbausleuchtungen
  • zum Erzeugen von Listen und Tabellen aus allen mitgeführten Datenfeldern
  • zum Synchronisieren zwischen Grafik und Listen

Die Ausgabe erfolgt als Grafik, als Excel-Export, als gestalteter Report, als Webseite oder in einem anderen, individuellen Format. Die Outputs werden bereitgestellt

  • als Grafik in Standardformaten
  • als PDF-Reports
  • als Excel-Arbeitsblätter
  • per Mail
  • als Veröffentlichung auf einem Webserver
Beispiel für eine Dokumentation

Erzeuge einen Report mit einem Titelblatt, mit grafischen Planogrammen zur Übersicht, mit einer kombinierten Grafik-Liste-Darstellung der Positionen und Produkte jedes Regalsegments und einer Stückliste der verwendeten Warenträger.

Demo-Artikel und Verkaufsware sollen getrennt ausgewiesen werden. Die Warenträger sollen unterschieden werden in „marktseitig gestellt“ und „individuell geliefert“. Die Gesamtkosten für den Regalaufbau sollen ersichtlich sein.

Der Report soll sich als Aufbauanleitung für die Einrichter eignen, aber auch gegenüber dem Markt das Regal verbindlich dokumentieren.

Restrukturieren

Die Bestückung eines Regals wird periodisch an neue Anforderungen und Kundenerwartungen angeglichen. Da die XPace-Regalplanungen in einem Repository abgelegt sind, können aus den bestehenden Regalen leicht neue hergeleitet werden. Durch den Vergleich alt/neu können Umbauanleitungen automatisch generiert werden.

Die von XPace unterstützten Restrukturierungsmethoden:

  • Tausche im aktuellen Planogramm Artikel X gegen Y aus
  • Vertausche die Positionen von X und Y
  • Übertrage Produkte oder Produktgruppen über die Zwischenablage von einem Planogramm in ein anderes
  • Passe die Bestückungsmengen im Planogramm mit einer Regel und aufgrund einer zugespielten Datenliste an
  • Suche in allen Planogrammen nach Artikel X
  • Tausche in allen Planogrammen Artikel X durch Y aus
  • Tausche in allen Planogrammen die Artikel X, Y, Z… anhand einer Ersetzungsliste gegen die Artikel A, B, C… aus
  • Lösche in allen Planogrammen den Artikel X

Für eine generelle Größenänderung führt man in XPace eine Clusteranalyse durch. Nach bestimmten Kriterien werden die Artikel im Regal gruppiert und pro Gruppe (Cluster) in eine Rangfolge gebracht. Für eine Regalverkleinerung werden die verzichtbarsten Artikel des Clusters entfernt und die verbleibenden neu angeordnet. Für eine Vergrößerung werden Ergänzungsartikel für die Cluster vorgeschlagen.

Beispiel für eine Umbausteuerung

Artikel X wird ausgelistet und durch Y ersetzt. Finde alle aktiven Planogramme, die X enthalten. Erzeuge eine neue Version und ersetze X durch Y. Aktualisiere alle Reports und erzeuge Umbauanleitungen.

Historisierte Planogramme dürfen nicht verändert werden.

Controlling

Mit der Versionierung verwaltet XPace mehrere Varianten desselben Planogramms. Mit der Historisierung werden frühere Varianten stabil festgehalten und können für Vorher-Nachher-Vergleiche herangezogen werden. Ein Zeitreihenvergleich von zwei oder mehr Versionen eines Planogramms zeigt den Erfolg der durchgeführten Planungsmaßnahmen.

Beispiel für eine Erfolgskontrolle

Betrachte das aktuelle Planogramm und seine vorherigen Versionen der vergangenen drei Quartale. Zeige die Änderungen in den Versionen und die Veränderungen der Rentabilität der Verkaufsfläche. Zeige die Veränderung der Bestandsdeckung und die Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen.

Integration

Planogramming-Daten sind nicht für die Regaleinrichtung wichtig, sondern haben Auswirkungen an anderen Stellen im Unternehmen. Mit XPace-Integratoren können spezielle Exports und Nachlaufprozesse im Unternehmen angestoßen werden. Die Prozesse können manuell angestoßen oder automatisch getriggert werden.

Beispiel für einen Integrator

Ein Planogramm soll nach Fertigstellung freigegeben werden. Der Freigabetrigger löst Benachrichtigungen an konfigurierte Empfänger aus und erzeugt und aktualisiert automatisch alle erforderlichen Reports.

Die Schnittstelle zur Warenwirtschaft löst Aufträge aus: für die Kommisionierung der erforderlichen Ware und der zu liefernden Warenträger.

Im Etikettendruck werden die benötigten Leitkarten in passender Menge und in Behangreihenfolge angefordert.